Grüße an die Todgeweihten…

GRAUZONEN! Wenn ich so aus dem Fenster meiner verdammt begehrten Altbauwohnung im selbsterwählten Zentrum des Katholizismus – denn was und wo ist schon Rom – blicke, sehe ich, dass der Sommer sich schon wieder verpisst hat ohne mir noch mal so richtig Tschüss zu sagen. Irgendwie ein gnadenloser Moment, der danach lechzt einen billigen Rotwein ins Hirn zu schütten. Ein unsanfter Moment, der mich darüber sinnieren lässt welche fundamentalen und vor allem verdammt kreativen Lebensentwürfe bisweilen meinen Lenden entsprungen sind. Viel mehr noch treibt mich der Gedanke durch den Moment, welche dieser Lebensentwürfe ich bereits in der stinkenden Kanalisation zwischen Nagel- und Fleischstraße versenkt habe. Es ist beruhigend zu wissen, dass es Städte gibt, die ihre Straßen Fleisch- und/oder Brotstraße taufen. Was wohl der, hier an jeder Ecke lauernde, Katholizismus zu so viel Fleischeslust sagen würde? Ebenso beruhigend ist es eine tiefgründige, wohltuende Sicherheit bei der Gewissheit zu empfinden Waldmeistereis weiterhin über alle Maßen zu hassen. Ja, es ist schön zu erkennen, dass es Dinge von Bestand gibt. Das wenigstens ein kleiner Teil der bisherigen Lebensentwürfe, trotz multiplem Mast- und Schottbruch, nicht nur von glanzvoller Eleganz sondern auch von ungeahnter Beständigkeit erfüllt sind.

Zum Beispiel ist es mir vor nicht all zu langer Zeit gelungen der Liste meiner – ehemaligen – Lieblingsmädchen einen weiteren Namen hinzuzufügen. Das alleine wäre jetzt vielleicht noch keiner Erwähnung wert, gäbe es nicht die tragische Tatsache, dass meine schwungvolle Idee zu diesem Thema Volkshochschulkurse abzuhalten mittlerweile negativ beschieden wurde. Von höchster Stelle, also von der mit diktatorischer Kleingeistigkeit die Angelegenheiten regelnden Rektorin der ortsansässigen Anstalt für Volksbildung und Volkskreativität. Per altmodischem Brief und höchst offiziell teilte man mir mit, man bedanke sich für meinen gut gemeinten Kursvorschlag und für das gleichzeitige Angebot selbigen gegen äußerst geringes Honorar gleichsam zum Selbstzweck abzuhalten, doch müsse man mir leider mitteilen, dass derart sexistische und dem Gedanken des Feminismus abträgliche Kursideen nicht in das wohl überlegte strategische Konzept der Institution passen würden. Und überhaupt wolle man zwar kreativ sein und Kreativität fördern, doch bitte in einem Rahmen, der zu Städten passt die ihre frischen Studenten in 10 m² Buden quetscht welche in Straßen liegen, die so würdige Namen wie z. B. Fleischstraße tragen. Der Brief endete zu allem Überdruss mit der kunstvoll formulierten Feststellung meine Idee sei nicht ausreichend gegendert und passe daher auch nicht in das Selbstverständnis einer urbanen, altehrwürdigen Metropole im geistigen Zentrum Europas und sowieso nicht in die heutige Zeit. Nun ja, allen die jetzt glauben, dies müsse doch bestimmt bei mir zu großer Niedergeschlagenheit führen möchte ich ein fröhliches und kreatives „Fickt euch“ entgegen rufen.

Die Listen des Ehemaligen kennen kein Ende. Sie werden genauso länger wie die Listen des potentiell noch zu Erwartenden. Man sollte sie nehmen wie sie kommen. Sollte sie in Ehren halten. Ich finde dies ist verdammt feministisch, sowie absolut und unglaublich toll dem Gedanken des Gender entsprechend. Ich lebe in einer Stadt, die dem Volk gibt wonach dem Volk ist. Brot und Spiele – Strick- und Makrameekurse. Gladiatoren und Kurse im Aktzeichnen ohne lebendiges Model. Schwere See nenne ich das, Freunde. Schwere See in verregneten Zeiten. Ich stehe zu meinen Listen, die vor Sexismus, Geilheit und Dummheit geradezu triefen. Sie lenken mich ab vom ungespülten Geschirr in meiner chaotischen Küche, vom blubbernden Geschwätz meiner Nachbarn, vom miesen Musikgeschmack der Handymusikhörer in überfüllten Stadtbussen, von neurotischen Lebensweisheiten auf T-Shirts, von der wieder einmal fehlenden Zahnpasta, vom Regen und vom ganzen Rest.

Wohlan und Wohlauf. Hurra ich lebe noch. Mit dem Gruß der Todgeweihten und dem Hinweis auf all die Dinge die mir durch den Kopf gehen! Und, wie läuft´s bei euch so…?

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